Geschrieben von Carolin Kaulfersch am 28. Januar 2026

Wie erkennt man eine wirklich barrierefreie Website?

Accessibility
Barrierefreiheit lässt sich gut mit einem Eisberg vergleichen: Das, was auf den ersten Blick sichtbar ist, macht nur einen kleinen Teil aus. Moderne Optik, schnelle Ladezeiten oder ein Widget sagen wenig darüber aus, ob eine Website wirklich für alle zugänglich ist. Erfahre, welche unsichtbaren Kriterien entscheidend sind – und warum echte Barrierefreiheit weit unter der Oberfläche beginnt.

Hände bedienen einen Laptop mit geöffneter Website, daneben ein Symbol für digitale Barrierefreiheit.So erkennst du eine wirklich barrierefreie Website

Auf den ersten Blick lässt sich Barrierefreiheit kaum einschätzen. Sichtbare Elemente wie Design oder Zusatzfunktionen geben Hinweise, sagen aber wenig darüber aus, wie gut eine Website tatsächlich genutzt werden kann – etwa mit Tastatur oder Screenreader. 

In diesem Artikel erfährst du: 

  • warum Barrierefreiheit auf Websites oft unsichtbar bleibt

  • welche Kriterien wirklich zählen – jenseits von Widgets und Optik

  • wie du den Barrierefreiheitsstatus deiner Website realistisch einschätzt

 Warum Overlay-Tools alleine keine Barrierefreiheit schaffen 

Viele Unternehmen setzen auf sogenannte Overlay-Tools – kleine Zusatzprogramme, die sich über eine Website legen und individuelle Anzeige- oder Bedienoptionen anbieten. Oft geschieht das in der Annahme, damit schnell auf der sicheren Seite zu sein. 

Solche Tools ermöglichen zum Beispiel die Vergrößerung von Texten, Kontrastwechsel oder Vorlesefunktionen. Doch: Overlays liefern meist nur eine zusätzliche Ansicht der Website und können sogar Barrieren für Menschen mit Hilfsmitteln wie Screenreadern verstärken. Die eigentlichen Probleme – etwa eine fehlerhafte semantische Struktur, fehlende Tastaturbedienung oder mangelnde Screenreader-Kompatibilität – werden dadurch nicht gelöst. 

Wichtig ist daher die Einordnung: 
Assistenzlösungen wie Eye-Able Assist können ein sinnvoller erster Schritt sein. Sie bieten Nutzenden sofort individuelle Anpassungsmöglichkeiten und verbessern die Zugänglichkeit im Alltag – insbesondere dort, wo eine umfassende technische Überarbeitung noch nicht abgeschlossen ist. 

Was sie jedoch nicht leisten können und auch nicht sollen: die zugrunde liegende Website barrierefrei machen. Dafür braucht es strukturelle Änderungen im Code, manuelle Prüfungen und kontinuierliche Optimierung. 

Fachverbände und Nutzende sind sich daher einig: Assistenzsoftware kann Barrieren abfedern, aber nicht beseitigen. Nachhaltige digitale Barrierefreiheit entsteht erst dann, wenn unterstützende Tools wie Eye-Able Assist mit technischen Maßnahmen, Audits und langfristigem Monitoring kombiniert werden. 

Woran du echte Barrierefreiheit erkennst – sichtbar und unsichtbar 

Barrierefreiheit zeigt sich selten auf den ersten Blick. Viele Maßnahmen sind unsichtbar im Hintergrund implementiert und werden nur durch gezielte Tests oder durch die Nutzung spezieller Hilfsmittel sichtbar. Dennoch gibt es sichtbare Anzeichen für fortgeschrittene Barrierefreiheitsbemühungen. 

Sichtbare Indikatoren 

  • Barrierefreiheits-Widgets (z.B. Schaltflächen zum Anpassen der Darstellung): Signalisieren das Vorhandensein von Tools, ersetzen aber keine zugrunde liegende Barrierefreiheit.

  • Barrierefreiheitserklärung: Rechtlich vorgeschrieben, fasst umgesetzte Maßnahmen und aktuelle Einschränkungen zusammen.

  • Zertifikate/Prüfsiegel zeigen, dass eine Website anhand definierter Kriterien geprüft wurde – etwa durch eine strukturierte, manuelle Bewertung wie beim BIK BITV-Test oder beim Eye-Able Siegel. Dabei wird die Website von zertifizierten Barrierefreiheits-Expertinnen und -Experten geprüft und je nach Umfang anhand zahlreicher Prüfschritte bewertet. Wichtig bleibt: Ein Prüfsiegel bildet immer nur den Stand zum Zeitpunkt der Prüfung ab. 

Eine barrierefreie Website erkennt man nicht am Design, sondern an ihrer Nutzbarkeit. 

Unsichtbare Indikatoren 

  • Semantische Struktur: Korrekte HTML-Auszeichnung (Überschriftenhierarchie, Listen, Tabellen usw.), damit Screenreader Inhalte verstehen und navigieren können.

  • Tastaturnavigation: Alle Funktionen und Inhalte lassen sich ausschließlich mit der Tastatur ansteuern, ohne „Tastaturfallen“ oder verdeckte Elemente.​

  • Screenreader-Kompatibilität: Inhalte können von Screenreadern sinnvoll und logisch vorgelesen werden, die Reihenfolge der Elemente stimmt, alle Bedienelemente sind benannt und erreichbar.​

  • Farbkontraste: Texte und UI-Elemente sind mit ausreichendem Kontrast gestaltet, um von Menschen mit Sehschwächen erkannt zu werden.​

  • Formularlogik: Formulare sind klar strukturiert, alle Felder korrekt beschriftet und vollständig zu bedienen.​ 

Ein Großteil der Barrierefreiheitsprozesse bleibt unsichtbar. Sichtbare Elemente wie Widgets und Erklärungen deuten Bereitschaft an, garantieren aber keine Barrierefreiheit. 

Illustration eines Eisbergs, umgeben von Symbolen für Tests, Technologie, Feedback, Dokumentation und Zertifizierung, die die sichtbaren und verborgenen Aspekte digitaler Barrierefreiheit symbolisieren.Prozesse im Hintergrund: Was macht eine Website wirklich barrierefrei? 

Rechtliche und technische Anforderungen 

Mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) und der Umsetzung der EU-Richtlinie müssen viele Webseiten seit Juni 2025 barrierefrei gestaltet sein. Die gesetzlichen Anforderungen stützen sich auf die internationalen WCAG-Richtlinien (derzeit WCAG 2.1), die Mindestkriterien für wahrnehmbare, bedienbare, verständliche und robuste Inhalte festlegen. Maßgeblich sind dabei die technischen Anforderungen der EN 301 549

Audits und Tests: Manuell ist Pflicht

Automatisierte Prüfungen sind ein wichtiger erster Schritt. Sie erkennen viele formale Barrieren wie fehlende Alternativtexte, unzureichende Farbkontraste oder einfache Strukturfehler. Doch sie stoßen schnell an ihre Grenzen: Komplexe Inhalte, logische Abläufe oder reale Nutzungsszenarien – etwa ein Check-out-Prozess – lassen sich automatisiert nicht zuverlässig bewerten. 

Genau deshalb sind manuelle Prüfungen ein fester Bestandteil der WCAG-Konformität. Viele Erfolgskriterien können nur durch menschliche Tests überprüft werden. In manuellen Audits analysieren zertifizierte Expertinnen und Experten unter anderem die logische Reihenfolge von Inhalten, die Bedienbarkeit mit Tastatur und Screenreader sowie die tatsächliche Nutzungserfahrung. Erst diese Kombination macht eine fundierte Bewertung der Barrierefreiheit möglich. 

Software-geführte Tests 

Software-geführte Tests helfen dabei, erkannte Barrieren Schritt für Schritt abzubauen – auch ohne Vorerfahrung oder tiefgehende IT-Kenntnisse. Nutzende werden verständlich durch konkrete Maßnahmen geführt und wissen direkt, was zu tun ist und warum. So lassen sich viele Barrieren unmittelbar beheben, während komplexere Anpassungen parallel im Code umgesetzt werden. 

Mann arbeitet am Laptop vor einer schematischen Website-Darstellung, begleitet von Symbolen für Webinhalte und Prüfung.Praktische Tipps: Wie Unternehmen den Unterschied erkennen und handeln können

Selbsttests für Unternehmen

Viele Barrieren lassen sich mit einfachen Selbsttests aufdecken: 

  • Tabulatortest: Kommst du mit der Tab-Taste (ohne Maus) durch alle Menüs und Formulare? Ist der sichtbare Fokus immer erkennbar?

  • Farbkontrast-Check: Überprüfe mittels Tools wie „WebAIM Contrast Checker“ oder „Color Contrast Analyzer“ oder unserem Kontrast-Checker im Eye-Able Dashboard, ob die Kontraste ausreichen.​

  • Screenreader-Check: Nutze kostenlose Screenreader wie NVDA (Windows) oder VoiceOver (Mac), um den Ablauf und die Verständlichkeit eurer Website zu prüfen.

  • Formular-Logik: Prüfe, ob alle Felder klar beschriftet, per Tab erreichbar und logisch angeordnet sind.​ 

Vom Selbsttest zum Audit 

  • Externe Audits: Lass eure Website regelmäßig von zertifizierten Expertinnen und Experten auditieren. Diese prüfen nach aktuellen Standards, bewerten reale Nutzungsszenarien und geben konkrete Empfehlungen zur nachhaltigen Verbesserung. Eye-Able unterstützt hier ergänzend mit manuellen Barrierefreiheits-Prüfungen, die reale Nutzungsszenarien gezielt sichtbar machen.

  • Zertifikate und Prüfberichte: Veröffentliche Prüfsiegel, wie zum Beispiel das Eye-Able Siegel, und Prüfberichte als Zeichen von Transparenz. Über die Eye-Able Plattform lassen sich Ergebnisse dokumentieren, aktuell halten und nachvollziehbar darstellen.

Banner mit Link zu einem kostenlosen Website-TestUnd jetzt? 

Wer Barrierefreiheit ernst meint, braucht mehr als einzelne Maßnahmen oder Tools. Entscheidend ist ein klarer, nachvollziehbarer Weg – vom ersten Überblick bis zur langfristigen Verbesserung. 

Barrierefreiheit mit Eye-Able bedeutet: 

  • Testen: Automatisierte und manuelle Prüfungen machen Barrieren sichtbar – auch dort, wo sie auf den ersten Blick verborgen bleiben.

  • Optimieren: Im Dashboard werden erkannte Barrieren übersichtlich gebündelt, priorisiert und mit ihren Auswirkungen auf den Barrierefreiheits-Score dargestellt. So wird auf einen Blick verständlich, wo der größte Handlungsbedarf liegt und welche Maßnahmen den größten Effekt haben. 

  • Dokumentieren: Barrierefreiheitsmaßnahmen werden transparent festgehalten, etwa durch eine Barrierefreiheitserklärung oder ein Prüfsiegel. So wird nachvollziehbar, wo ihr steht – und was bereits umgesetzt wurde.

  • Kontrollieren: Kontinuierliches Monitoring sorgt dafür, dass Barrierefreiheit nicht verloren geht – auch bei Updates oder neuen Inhalten. 

So wird Barrierefreiheit kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. 

Verschaffe dir einen ersten Überblick über den Barrierefreiheitsstatus deiner Website – unverbindlich und ohne Vorkenntnisse.

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