Geschrieben von Sebastian Fjeld am 06. September 2024

Weltalphabetisierungstag und Inklusion: Lesen öffnet Welten

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An open book can be seen. The middle pages are bent, so they form a heart.Jedes Jahr am 8. September erinnert uns der Weltalphabetisierungstag an die Bedeutung des Lesens und Schreibens. Aber warum ist dieser Tag so wichtig? Wer steht dahinter, und welche Ziele verfolgt er? Und was hat das mit Barrierefreiheit zu tun? Die Antwort ist: Einfach alles!

Was ist der Weltalphabetisierungstag?

Der Weltalphabetisierungstag wurde 1966 von der UNESCO ins Leben gerufen, um auf die globale Herausforderung des Analphabetismus aufmerksam zu machen. Es ist ein Tag, der die Bedeutung der Alphabetisierung als grundlegendes Menschenrecht betont. Laut UNESCO können weltweit rund 770 Millionen Erwachsene nicht richtig lesen oder schreiben. Das ist ein alarmierender Fakt, der zeigt, wie viele Menschen von gesellschaftlicher Teilhabe ausgeschlossen bleiben.

Warum ist Alphabetisierung so wichtig?

Lesen und Schreiben sind mehr als nur praktische Fähigkeiten – sie eröffnen den Zugang zu Wissen, Bildung und beruflichen Chancen. Alphabetisierung ermöglicht es Menschen, selbstständig Entscheidungen zu treffen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und wichtige Informationen zu verstehen. Wer nicht lesen kann, ist von vielen Informationen in unserem Alltag abgeschnitten: ob Straßenschilder, Medikamente, behördliche Dokumente oder digitale Inhalte. Ohne diese grundlegenden Fähigkeiten wird es nahezu unmöglich, sich in unserer zunehmend digitalisierten Welt zurechtzufinden.

Wer ist besonders betroffen?

Analphabetismus betrifft vor allem Menschen in Entwicklungsländern, Frauen und Menschen in ländlichen Regionen. Doch auch in wohlhabenden Ländern wie Deutschland gibt es etwa 6,2 Millionen Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Besonders betroffen sind auch Menschen mit Behinderungen, die oft nicht nur mit eingeschränkten physischen Fähigkeiten, sondern auch mit einem erschwerten Zugang zu Bildung kämpfen. Hier zeigt sich die direkte Verbindung zwischen Alphabetisierung und Barrierefreiheit.

Wie hängt Alphabetisierung mit Barrierefreiheit zusammen?

Barrierefreiheit bedeutet, dass alle Menschen – unabhängig von ihren Fähigkeiten – Zugang zu Informationen und Ressourcen haben sollten. Alphabetisierung ist hier ein grundsätzlich wichtiges Schlüsselelement. Wer nicht lesen oder schreiben kann, ist von vielen digitalen und analogen Informationen ausgeschlossen.

Das Internet, als wichtigstes Informations- und Kommunikationsmedium, bleibt für viele Menschen eine „geschlossene Tür“, wenn sie die dort angebotenen Inhalte nicht lesen können. Selbst wenn eine Website barrierefrei gestaltet ist und zusätzlich Assistenztechnologie anbietet - ohne Alphabetisierung wird auch diese Unterstützung an ihre Grenzen stoßen.

Was können wir tun?

Der Weltalphabetisierungstag erinnert uns daran, dass Bildung die Basis für ein selbstbestimmtes Leben ist. Indem wir uns für Alphabetisierungsprogramme einsetzen und den Zugang zu Bildung verbessern, tragen wir dazu bei, dass mehr Menschen die Möglichkeit erhalten, Informationen zu nutzen, Entscheidungen zu treffen und Teil der Gesellschaft zu sein. Es ist unsere gesellschaftliche Verantwortung, Barrieren abzubauen – nicht nur physische, sondern auch bildungsbedingte.

Konkrete Initiativen für Alphabetisierung und Inklusion

Weltweit gibt es zahlreiche Initiativen, die sich der Alphabetisierung widmen und somit den Zugang zu Bildung und Informationen verbessern. Eine der größten ist die UNESCO-Initiative für Alphabetisierung, die in Entwicklungsländern Programme zur Förderung von Lese- und Schreibfähigkeiten finanziert. In Deutschland gibt es beispielsweise die "AlphaDekade", die sich gezielt an Erwachsene richtet, die Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben haben. Durch spezielle Kurse und Bildungsangebote unterstützt die Initiative Betroffene dabei, grundlegende Fähigkeiten zu erwerben und damit ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern.

Auch auf globaler Ebene gibt es Programme wie "Literacy for Life", das sich auf die Alphabetisierung von Frauen in ländlichen Gebieten konzentriert, da sie besonders oft von Bildungsarmut betroffen sind. In vielen Ländern tragen diese Programme dazu bei, dass Menschen, die zuvor ausgeschlossen waren, Zugang zu Bildung und Informationen erhalten.

Digitale Lösungen wie Apps und E-Learning-Plattformen gewinnen immer mehr an Bedeutung, um Alphabetisierung auf breiter Basis zu fördern. Initiativen wie ProLiteracy bieten Online-Kurse, die es Menschen ermöglichen, von überall aus ihre Lese- und Schreibfähigkeiten zu verbessern, was besonders in Zeiten der Digitalisierung entscheidend ist.

Am Weltalphabetisierungstag geht es darum, darauf aufmerksam zu machen, wie tiefgreifend das Fehlen von Lese- und Schreibfähigkeiten das Leben von Millionen Menschen beeinflusst. Es ist nicht nur eine Frage der Bildung, sondern auch der Gerechtigkeit und der Chancengleichheit. Barrierefreiheit heißt auch, Alphabetisierung umzusetzen, denn ohne sie bleiben viele Türen verschlossen.

Lasst uns gemeinsam daran arbeiten, diese Türen zu öffnen und eine Welt zu schaffen, in der niemand aufgrund mangelnder Lese- oder Schreibfähigkeiten ausgeschlossen wird!

Sebastian Fjeld

Sebastian Fjeld gehört als professioneller Sprecher und Texter von Anfang an zum Eye-Able®-Team. Er hat "voice acting" an einer Universität studiert und wurde von Schauspielern ausgebildet. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Dolmetscher für verschiedene Sprachen.
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