Geschrieben von Sebastian Fjeld am 11. März 2025

Wie inklusiv ist die digitale Welt wirklich?

Accessibility

Stellt euch vor, ihr versucht, ein Formular auszufüllen, aber die Buttons sind zu klein für euer Smartphone. Oder ihr lest einen Text auf einer Website, doch der geringe Kontrast strengt eure Augen an. Vielleicht habt ihr euch auch schon über komplizierte Navigationen geärgert, die euch von den Infos fernhalten, die ihr eigentlich sucht. Für manche Menschen sind solche Barrieren eine Kleinigkeit – für Millionen weltweit bedeuten sie jedoch den alltäglichen Kampf um digitale Teilhabe.

Inclusive Design (auch inklusive Gestaltung / inklusives Design) geht über einfache Anpassungen hinaus: Es stellt sicher, dass digitale Produkte von Anfang an so gestaltet werden, dass sie für alle Menschen zugänglich sind – unabhängig von Sehvermögen, Motorik oder technischer Ausstattung.

Doch wie sieht wirklich inklusive Gestaltung aus? Wie kann man Barrieren von Anfang an vermeiden, statt sie später mühsam korrigieren zu müssen?

Was ist Inclusive Design?

Inclusive Design (auch „inklusives Design“) ist eine Gestaltungsphilosophie, die darauf abzielt, digitale Produkte von Grund auf so zu entwickeln, dass sie möglichst vielen Menschen zugutekommen – ohne dass nachträgliche Anpassungen nötig sind. Es geht nicht darum, Sonderlösungen für einzelne Gruppen zu schaffen, sondern eine universell nutzbare digitale Umgebung zu gestalten, die allen gleichermaßen zugänglich ist.

Dabei steht vor allem die Vielfalt der Nutzer*innen im Fokus: Menschen mit und ohne Behinderungen, ältere Personen, Menschen mit temporären Einschränkungen (z. B. ein gebrochener Arm) oder Nutzende mit unterschiedlichen Endgeräten und technischen Möglichkeiten.

Ein aktuelles, viel diskutiertes Beispiel dafür sind Kartenzahlungsgeräte, welche ausschließlich über digitale Displays ohne taktile oder akustische Rückmeldung funktionieren. Was für viele auf den ersten Blick wie eine moderne und praktische Lösung wirkt, stellt für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen eine erhebliche Barriere dar: Ohne fühlbare Tasten oder eine Sprachausgabe wird das eigenständige Bezahlen nahezu unmöglich.

Hier zeigt sich, warum Inclusive Design von Anfang an mitgedacht werden muss. Digitale Entwicklungen sollten nicht nur modern, sondern auch inklusiv sein.

Die fünf zentralen Prinzipien von Inclusive Design

Um digitale Produkte inklusiv zu gestalten, gibt es grundlegende Prinzipien, die sich bewährt haben:

1. Nutzenden-Zentrierung: Vielfalt verstehen und einbeziehen

Gutes Design beginnt mit den Menschen, für die es gemacht wird. Inclusive Design bedeutet, die unterschiedlichen Bedürfnisse und Fähigkeiten aller Nutzenden aktiv zu berücksichtigen – von Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen bis hin zu Nutzenden mit kognitiven oder motorischen Einschränkungen.

Best Practice: Setzt auf Co-Creation – also die direkte Einbindung von Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen in den Entwicklungsprozess. Usability-Tests mit echten Nutzer*innen helfen, Barrieren frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.

2. Flexibilität & Anpassbarkeit: Wahlmöglichkeiten bieten

Jeder Mensch nutzt digitale Inhalte unterschiedlich. Daher sollten Webseiten und Softwarelösungen flexibel sein und verschiedene Nutzungsmöglichkeiten bieten.

Best Practice: Ermöglicht individuelle Anpassungen, wie die Veränderung von Schriftgrößen, Farbkontrasten oder Navigationsmethoden. Assistenztools wie die von Eye-Able helfen dabei, Inhalte für verschiedene Bedürfnisse zu optimieren.

3. Klarheit & Einfachheit: Verständliche Inhalte und intuitive Navigation

Ein klares, gut strukturiertes Design hilft nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern verbessert die Nutzererfahrung insgesamt.

Best Practice:

  • Verwendet einfache Sprache und gut lesbare Schriftarten.

  • Sorgt für hohe Farbkontraste, damit Texte und Buttons klar erkennbar sind.

  • Baut eine logische und vorhersehbare Navigation ein, die auch per Tastatur oder Screenreader nutzbar ist.

4. Technische Barrierefreiheit: Assistive Technologien unterstützen

Viele Menschen nutzen Screenreader, Sprachsteuerung oder andere Assistenzsysteme. Digitale Produkte sollten mit diesen Technologien kompatibel sein.

Best Practice:

  • Setzt auf semantischen HTML-Code und korrekte ARIA-Attribute, damit Screenreader Inhalte richtig interpretieren können.

  • Vermeidet rein visuelle Hinweise Formulare, Buttons oder Links sollten auch ohne Maus und Touchscreen bedienbar sein.

5. Testen mit echten Nutzer*innen: Barrieren frühzeitig erkennen

Niemand kann alle Herausforderungen im Blick haben – deshalb sind Tests mit echten Nutzer*innen essenziell.

Best Practice:

  • Führt regelmäßige Usability-Tests mit einer diversen Gruppe durch.

  • Nutzt automatisierte und manuelle Accessibility-Checks, um Barrieren frühzeitig zu erkennen.

Warum Inclusive Design die digitale Welt für alle verbessert

Inclusive Design bedeutet nicht nur mehr Gerechtigkeit, sondern auch bessere Produkte. Denn wenn digitale Angebote für alle nutzbar sind, profitieren alle davon:

  • Bessere User Experience: Klare, intuitive und zugängliche Webseiten sind für alle Nutzer*innen angenehmer zu bedienen.

  • Reichweitensteigerung: Je mehr Menschen Inhalte problemlos nutzen können, desto größer wird die potenzielle Zielgruppe.

  • Rechtliche Konformität: Viele Länder haben gesetzliche Vorgaben zur digitalen Barrierefreiheit (z. B. die EU-Richtlinie für barrierefreie Websites).

  • Innovationskraft: Unternehmen, die auf Inclusive Design setzen, entwickeln oft kreativere und innovativere Lösungen.

Digitale Angebote sollten keine Barrieren bauen; sondern Brücken! Inclusive Design sorgt dafür, dass alle Menschen von Anfang an mitgedacht werden. Das ist ein großer Vorteil für Websitebetreibende, da die Inhalte zugänglich sind und nicht im Nachhinein ausgebessert werden müssen. Uns bleibt nur zu sagen: Wenn wir digitale Produkte von Beginn an inklusiv gestalten, profitieren nicht nur einige wenige, sondern wir alle.

Sebastian Fjeld

Sebastian Fjeld gehört als professioneller Sprecher und Texter von Anfang an zum Eye-Able®-Team. Er hat "voice acting" an einer Universität studiert und wurde von Schauspielern ausgebildet. Derzeit absolviert er eine Ausbildung zum Dolmetscher für verschiedene Sprachen.
Filter

Filter nach Kategorie

Bestätigen Sie nach Auswahl der Kategorien Ihre Eingabe mit dem Button am Ende der Liste

Filter zurücksetzen

Barrierefreiheit und Datenschutz: Vertrauen in der digitalen Welt

Geschichte lesen

Zurück an die Uni: Eye-Able® und der Weg zu einer inklusiveren Bildungslandschaft

Geschichte lesen
In the picture on the background of the Eye-Able design the two company names "dotfly" and "Eye-Able" are to be seen.

Grünes Internet: Der Zusammenhang von Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit

Geschichte lesen
The picture shows a woman in a wheelchair wearing VR glasses.

Was bringt digitale Barrierefreiheit überhaupt? Die Fakten schwarz auf weiß – Teil 2

Geschichte lesen
The picture shows a woman in a wheelchair wearing VR glasses.

Was bringt digitale Barrierefreiheit überhaupt? Die Fakten schwarz auf weiß

Geschichte lesen
A person in a wheelchair has thrown a ball into the air with their left hand. The ball is already in the air and the person is pointing upwards with their left index finger. In the background, the crowd in a stadium applauds while a sporting event is shown on a large screen. The person is wearing a red sports jersey.

Jenseits von Stereotypen? Darstellung von Behinderungen in den Medien

Geschichte lesen
Es ist eine Straßensperrung zu sehen, welche eine Straße Richtung Strand blockiert. Auf der Sperrung hängt ein Schild, auf dem "Straße gesperrt" auf englisch steht. Im Hintergrund sind Sanddünen und blauer Himmel zu sehen.

Hindernisse erkennen: Die häufigsten Barrieren im Alltag

Geschichte lesen
Two people are depicted speaking sign language together. Both are blonde and the person on the left is wearing glasses. They are sitting on a grey couch in a living room.

Die faszinierende Welt der Gebärdensprache – Kommunikation ohne Laute

Geschichte lesen
Four people, forming a work-related team, are sitting around a table. One person stands and explains a figure standing in the middle of the group.

Barrierefreies Webdesign: Eye-Able® und TWT - Ein starkes Team für digitale Inklusion

Geschichte lesen

Sie benötigen weitere Informationen?

Schreiben Sie uns und wir helfen Ihnen gerne weiter.

A man and a woman look at a monitor and laugh