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Nein, ein Overlay Tool macht eine Website nicht automatisch barrierefrei
Geschichte lesenDigitale Barrierefreiheit betrifft weit mehr Menschen, als viele denken:
Gut 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen lebten Ende 2025 in Deutschland, das sind 9,4 % der Bevölkerung, meldet das Statistische Bundesamt.
6,2 Millionen Erwachsene in Deutschland gelten laut LEO-Studie der Universität Hamburg als gering literalisiert.
Rund 90 Millionen Menschen ab 16 Jahren haben in der EU eine Behinderung – etwa jede vierte erwachsene Person, laut Eurostat-Zahlen, veröffentlicht vom Rat der EU.
1,3 Milliarden Menschen weltweit leben laut Weltgesundheitsorganisation mit einer erheblichen Behinderung.
Dazu kommen viele ältere Menschen und Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen, etwa nach einem Armbruch. Barrierefreie Websites helfen außerdem allen, die bei Sonnenlicht aufs Smartphone schauen oder ein Video ohne Ton ansehen.
Die kurze Antwort: kaum. Der WebAIM Million 2026, eine jährliche Analyse der Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites, zeigt sogar eine Verschlechterung:
95,9 % der Startseiten hatten erkennbare WCAG-Fehler, nach 94,8 % im Jahr 2025.
56,1 Fehler pro Startseite im Durchschnitt, nach 51 im Vorjahr.
83,9 % der Startseiten hatten Text mit zu geringem Kontrast.
53,1 % der Startseiten hatten Bilder ohne Alternativtext.
51,0 % der Startseiten hatten Formularfelder ohne Beschriftung.
Onlineshops sind keine Ausnahme. Ein Test der Aktion Mensch vom Juni 2025 ergab: Nur 20 der 65 meistbesuchten Onlineshops in Deutschland ließen sich vollständig per Tastatur bedienen.
Die gute Nachricht: Die meisten dieser Fehler sind bekannt und lassen sich beheben. Wie, zeigen unsere Leitfäden zu Alternativtexten und barrierefreien Formularen.
Barrierefreiheit ist nicht nur eine ethische und rechtliche Frage. Sie zahlt sich auch aus. In einer Studie von Capterravom Juli 2024 mit 2.748 Befragten in 11 Ländern gaben an:
74,0 %, dass ihr Unternehmen wegen fehlender Barrierefreiheit bereits Kundschaft verloren hat.
80,0 %, dass Barrierefreiheit in ihrem Unternehmen eine hohe oder sehr hohe Priorität hat.
53,0 % der Unternehmen mit barrierefreien Funktionen, dass sich die Kundenbindung verbessert hat.
39,0 %, dass sich die SEO-Leistung und die Reichweite verbessert haben.
39,0 %, dass sich die Leistung in den sozialen Medien verbessert hat.
Das wirtschaftliche Potenzial ist groß. Allein im Vereinigten Königreich schätzte die Organisation Scope die Kaufkraft von Menschen mit Behinderungen und ihren Haushalten 2019 auf 274 Milliarden Pfund pro Jahr. Unternehmen mit nicht barrierefreien Websites lassen einen großen Teil davon ungenutzt.
Die Capterra-Studie hat Deutschland auch einzeln ausgewertet. 79,0 % der befragten deutschen Unternehmen boten auf ihrer Website zumindest einige barrierefreie Funktionen an. Am häufigsten waren:
Anpassen der Textgröße, Zoom oder Hervorhebung (50,0 %)
Untertitel und Transkripte für Videos (49,0 %)
Vorlesefunktion (42,0 %)
Screenreader-Kompatibilität, aussagekräftige Links und Tastaturbedienung (je 40,0 %)
Anpassen von Farben und Kontrasten (39,0 %)
Alternativtexte für Bilder und Verzicht auf blinkende Elemente (je 32,0 %)
Die Zahlen zeigen: Viele Unternehmen haben begonnen, aber nur wenige setzen Barrierefreiheit konsequent um. Alternativtexte, eine der grundlegendsten Anforderungen, bot nur rund ein Drittel an.
Zum Zeitpunkt der Befragung, ein Jahr vor dem Inkrafttreten des European Accessibility Act, erfüllten erst 36,0 % der Websites dessen Anforderungen. 42,0 % hatten einen Plan, der noch nicht umgesetzt war, 14,0 % hatten gar keine Pläne.
Seit dem 28.06.2025 verpflichtet der European Accessibility Act (EAA) viele digitale Produkte und Dienstleistungen in der EU zur Barrierefreiheit, etwa Onlineshops, Bankdienstleistungen, E-Books und Personenbeförderung. In Deutschland setzt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) die Richtlinie um. Technische Grundlage sind die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) und die europäische Norm EN 301 549.
Für Websites öffentlicher Stellen gilt die Pflicht schon länger, in Deutschland über die BITV 2.0. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, riskiert Beschwerden, Abmahnungen von Wettbewerbern und Bußgelder.
Warum ist digitale Barrierefreiheit noch immer nicht Standard? Unternehmen nennen vor allem diese Hürden:
Technische Komplexität: Ältere Websites und Systeme wurden nicht barrierefrei geplant. Sie nachzurüsten kostet Zeit.
Fehlendes Bewusstsein: Viele Teams wissen nicht, wie Menschen mit Behinderungen das Web nutzen, welche Barrieren es gibt und welche sie selbst schaffen.
Unklarer Nutzen: Die Kosten sind sofort sichtbar, der Nutzen – mehr Kundschaft, bessere SEO, weniger rechtliche Risiken – zeigt sich erst mit der Zeit.
Dauerhafter Aufwand: Jede neue Seite, jedes Bild und jedes Formular kann neue Barrieren schaffen. Barrierefreiheit ist kein einmaliges Projekt.
Mit diesen Schritten machst du deine Website barrierefrei und hältst sie es auch:
Prüfen, ob du betroffen bist: Finde heraus, welche deiner Produkte und Dienstleistungen unter den EAA und die nationalen Gesetze in deinen Märkten fallen.
Website testen: Ein automatischer Test zeigt typische Fehler schnell. Ein manuelles Audit deckt ab, was Tools nicht beurteilen können.
Die wichtigsten Barrieren beheben: Beginne mit häufigen Fehlern wie fehlenden Alternativtexten, zu geringem Kontrast und unbeschrifteten Formularfeldern.
Prozesse anpassen: Mach Barrierefreiheit von Anfang an zum Teil von Design, Entwicklung und Content-Erstellung.
Erklärung zur Barrierefreiheit veröffentlichen: Beschreibe, wie barrierefrei deine Website ist und wie Nutzende Barrieren melden können. Was hineingehört, erklärt unser Artikel zur Barrierefreiheitserklärung.
Dauerhaft überwachen: Regelmäßige Prüfungen stellen sicher, dass neue Inhalte keine neuen Barrieren schaffen.
KI kann bei vielen dieser Schritte helfen, etwa beim Erstellen von Alternativtexten oder beim Vereinfachen von Texten. Die Prüfung durch Menschen ersetzt sie aber nicht. Wo die Grenzen liegen, zeigt unser Artikel zu Einfacher Sprache mit KI.
Eye-Able verbindet Prüfung, Behebung und Unterstützung für Nutzende in einer Plattform. Eye-Able Audit & Reportprüft Websites nach den WCAG und dokumentiert die Ergebnisse. Eye-Able Assist ermöglicht es Besuchenden, die Darstellung an ihre Bedürfnisse anzupassen, etwa Schriftgröße und Kontrast. Eye-Able Einfache Sprache und Eye-Able Übersetzung machen Inhalte verständlicher und in anderen Sprachen verfügbar. Der KI-Assistent Ally unterstützt Teams beim Beheben von Fehlern.
Die Zahlen sprechen für sich: Millionen Menschen sind auf barrierefreie Websites angewiesen, doch fast jede Website hat noch Barrieren. Gleichzeitig lohnt sich Barrierefreiheit – durch mehr Kundschaft, bessere Kundenbindung und bessere Sichtbarkeit in Suchmaschinen. Seit dem Inkrafttreten des European Accessibility Act ist sie für viele Unternehmen außerdem Pflicht. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um anzufangen.
Wie barrierefrei ist deine eigene Website? Unser kostenloser Barrierefreiheitscheck gibt dir in weniger als 2 Minuten einen ersten Überblick.
In Deutschland lebten Ende 2025 gut 7,8 Millionen schwerbehinderte Menschen. EU-weit haben rund 90 Millionen Menschen ab 16 Jahren eine Behinderung, weltweit sind es laut WHO rund 1,3 Milliarden. Auch viele ältere Menschen und Menschen mit vorübergehenden Einschränkungen profitieren von barrierefreien Websites.
Kaum. Laut WebAIM Million 2026 hatten 95,9 % der Startseiten der eine Million meistbesuchten Websites erkennbare WCAG-Fehler, im Durchschnitt 56,1 pro Seite. Am häufigsten waren zu geringer Kontrast, fehlende Alternativtexte und unbeschriftete Formularfelder.
Ja. In einer Capterra-Studie von 2024 gaben 74,0 % der Befragten an, dass ihr Unternehmen wegen fehlender Barrierefreiheit Kundschaft verloren hat. Unternehmen mit barrierefreien Funktionen berichteten von besserer Kundenbindung (53,0 %) und besserer SEO (39,0 %).
Für viele Unternehmen ja. Seit dem 28.06.2025 gilt in Deutschland das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG). Es verpflichtet viele digitale Produkte und Dienstleistungen zur Barrierefreiheit, darunter Onlineshops und Bankdienstleistungen. Für öffentliche Stellen gilt die Pflicht über die BITV 2.0 schon länger.
Laut WebAIM Million 2026 gehören zu geringer Kontrast, fehlende Alternativtexte für Bilder und unbeschriftete Formularfelder zu den häufigsten Fehlern. Seit Jahren stehen dieselben wenigen Fehlerarten ganz oben – und viele davon lassen sich mit wenig Aufwand beheben.
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